Gastbeitrag: Erfahrungsbericht zur IHK-Ausbildung zum Fachinformatiker + Tipps

Es ist Zeit für den ersten Gastbeitrag auf Akeel’s Blog! Da ich diesen Sommer erfolgreich meine Ausbildung zum Fachinformatiker mit der Fachrichtung Systemintegration abgeschlossen habe, hat mich Akeel kurzerhand gefragt, ob ich nicht Lust hätte ein wenig darüber zu berichten. Ich möchte dir nun ein wenig über die Ausbildung an sich, den schulischen (theoretischen) und den betrieblichen (praktischen) Teil, aber auch besonders über die Prüfung berichten. Mit diesem Artikel hoffe ich dir bei deiner Berufswahl weiter zu helfen, dich in deiner Entscheidung zu bestätigen, dir die Angst vor der Prüfung zu nehmen, dir wertvolle Tipps für umme zu liefern oder dich einfach nur zu unterhalten.

Alles begann mit meinem Interesse für Computer und ersten Projekten, die ich zusammen mit Akeel realisiert habe. Schnell wurde für mich aufgrund von mangelnden Alternativen klar, dass ich eine Ausbildung zum Fachinformatiker machen wollte. Die größte Frage, die sich mir noch stellte, war: Anwendungsentwickler oder Systemadministrator? Doch auch diese Frage lies sich sehr schnell nach einem ziemlich eintönigen Praktikum als Programmierer klären.

Im kompletten ersten Jahr der Ausbildung wurden lediglich die Grundlagen abgearbeitet. Es war sehr entspannend, wenn man sich schon vorher mit dem grundlegenden Aufbau von Computern usw. befasst hatte. Ich denke, wenn man vor hat zu verkürzen, sollte man es auf jeden Fall im ersten Jahr machen. Nachher verpasst man zu viel Interessantes und ich persönlich kenne niemanden, bei dem die vorgezogene Prüfung sehr gut ausgefallen ist, da diese deutlich schwieriger sind.

Im zweiten Jahr war ich dann auch die nebensächlichen Fächer wie Sport und Religion los. Englisch, Deutsch und Politik blieben natürlich bestehen. Dafür wurde es im Betrieb interessanter und ich durfte sogar eine Woche lang den Messealltag auf der Cebit erleben. Ich kann dir nur empfehlen, dich im Betrieb immer einzubringen und Lernbereitschaft zu signalisieren. Dadurch wirst du viel mehr lernen und auch einen besseren Einblick in die weitgefächerte IT-Welt erhaschen. Wissen ist alles. Die Leute haben einfach mehr Bock dir noch ein Stück mehr zu zeigen, wenn sie sehen, dass du auch richtig Lust drauf hast etwas zu lernen. Ich war zwar auch nie so der große „Ich lerne jetzt zuhause anstatt zu surfen“-Typ, allerdings bleibt das nicht aus. Es zahlt sich hinterher einfach aus, wenn du schon früh anfängst dich zuhause mit Rüstzeug eines Systemintegrators bzw. Systemadministrators auseinanderzusetzen. Ab und zu ein Buch zu Themen, die dich besonders interessieren, kann auch nicht schaden 😉 In der Schule bekommst du, wenn überhaupt, nur das gröbste Grundwissen mit. Dazu hast du im Betrieb (durch das Tagesgeschäft) meistens wenig Zeit bzw. dein Ausbilder ist eingespannt und kann dir dementsprechend nicht in dem Umfang einen Einblick geben, wie er es gerne machen würde (Kommt natürlich auf den Betrieb an). Das schöne an der IT-Ausbildung ist aber auch, dass man es als Theorie-Hengst nicht weit bringt. Man brauch einfach die praktische Erfahrung mit den verschiedensten Themenfeldern und Gerätschaften. Ich glaube das beste ist wie immer im Leben, die Balance aus beidem!

Im dritten und letzten Jahr wurde es dann Ernst. Ich habe allerdings auch gelernt, nicht alles zu eng zu sehen. Man versteht die meisten Dinge nicht direkt beim ersten groben Lesen. Die Lehrer wollen einem meistens ein wenig Angst machen 😀 Es gibt vieles an der Schule bzw. eher mehr an den Schulthemen respektive an der IHK zu kritisieren. Diese kann die Schnelllebigkeit der IT nicht ansatzweise händeln, oder sei es die Engstirnigkeit, die Unzuverlässigkeit, aber am nervigsten für mich war das Thema Wirtschaft. Dort lernt man drei Jahre lang Dinge und am Ende werden diese noch nicht mal abgefragt.

Nach drei aufregenden Jahren war es dann soweit: Die Prüfung stand an. Vor der Prüfung habe ich noch zwei Monate einen Vorbereitungskurs besucht. Das stellte sich im Nachhinein als sehr sinnvoll heraus und zudem musste ich diesen noch nicht einmal bezahlen. Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen Teil, dieser gliedert sich wieder in drei Teile (Wirtschaft, Grundwissen und Fachquali) auf, und einem praktischen Teil. In diesem muss eine Präsentation gehalten werden – über ein vorher ausgewähltes Projekt. Zusätzlich muss eine Dokumentation angefertigt werden. Zu dieser sollte vorher ein Antrag genehmigt werden. Danach folgt ein 15-minütiges Fachgespräch.

Die schriftlichen Teile ähneln den Prüfungen in der Berufsschule. Man sollte sich einfach drauf vorbereiten – entweder durch einen Vorbereitungskurs oder halt zuhause. Es kommt einfach drauf an, was einem am besten liegt. Ich bin, wie oben schon genannt, nicht der Typ, der sich zuhause aufrafft, also kam mir der Vorbereitungskurs sehr gelegen. Es gibt auch hervorragende Bücher, die man sich anschaffen kann. Man sollte zudem aktuelle Themen, die c’t und die Cebit im Auge behalten. Wobei die Cebit mit den Jahren immer mehr in die Bedeutungslosigkeit versinkt. Schade eigentlich. Das A und O ist einfach früh genug anzufangen, denke ich.

Der weitaus komplexere und schwierigere Teil ist das Projekt inklusive Dokumentation und Fachgespräch. Es ist nicht vorhersehbar was passieren wird und auch sonst ist es unberechenbar. Da ich diese Tortur schon erleben durfte, kann ich dir ein paar Tipps geben. Nachdem du einen kurzen, ich glaube fünf Seiten langen, Antrag, in dem du dein Projekt erklärst, abgegeben hast, musst du erstmal auf die IHK warten. Daran kannst du dich generell schon mal gewöhnen: die Menschen bei der IHK – das sind sehr beschäftigte Leute. Der Antrag ist nichts Wildes und dafür gibt es schon viele Beispiele im Netz. Aber sollte dir keiner eben dieser weiterhelfen, kannst du dich auch an ausgelernte Azubis aus deinem Betrieb wenden. Zuletzt könntest du dir auch noch die Handreichungen und Bewertungskriterien der IHK herunterladen. Diese sind von IHK zu IHK unterschiedlich, also achte darauf, dass du deine örtliche IHK auch wirklich erwischst.

Ist der Antrag genehmigt, geht es ans Projekt. Für dieses hast du meistens zwei, drei Monate Zeit. Du solltest dir neben der Doku eventuell auch schon mal Notizen machen, welche Themenschwerpunkte, welche Hardware, Software usw. du in deinem Projekt behandelst. Genau diese Sachen werden später im Fachgespräch vertiefend abgefragt. Wichtig ist dabei, dass du am Ende nicht über oder nicht unter die vorgegebene Zeit kommst, außer du hast einen triftigen Grund. Ansonsten bist du nämlich direkt durchgefallen, da verstehen die Damen und Herren keinen Spaß!

Die Doku wird danach abgegeben, meist als PDF. Dann fällt erstmal ein großer Stein vom Herzen. Puh, das ist schon mal geschafft. Danach bekommt man dann früher oder auch später (IHK halt), seine schriftlichen Ergebnisse. Da sollte es auch nicht so schwer sein zu bestehen. Vorausgesetzt man hat die ganzen drei gelernten Jahre vorher noch einmal vorbildlich Revue passieren lassen. Nun hat man nur noch die Präsi und das Fachgespräch vor sich. Für mich war das die schrecklichste Zeit, denn typisch stereotyp bin ich sehr aufgeregt vor Präsentationen. Dazu kommt noch: ich muss aus meinem Nerdkeller raus, rein in den Anzug und ans Sonnenlicht in ein IHK Besprechungsraum 😛

In Sachen Präsentationen gibt es ja zuhauf Infos im Netz, ich denke dazu brauch ich erstmal nichts sagen. Sollte es spezielle Fragen geben, beantworte ich die natürlich gerne in den Kommentaren. Ich kann nur sagen, dass es von Vorteil ist, wenn du die Präsi frühzeitig fertig hast, ein paar Leute drüber schauen lässt und übst! Denk auch daran, dass du höchstens 15 Minuten Zeit hast. Danach brechen die knallhart ab, zu Ende oder nicht. Man peilt am besten die dreizehn Minuten an, das heißt aber nicht, dass dreizehn Minuten in der Probe auch dreizehn Minuten in der richtigen Prüfung sind. Du redest in der Prüfung viel schneller, bist aufgeregter und nervös. Zusätzlich würde ich die Möglichkeiten des Präsentationstools nutzen und ein paar Notizen anfertigen, falls du mal komplett aus dem Konzept kommst. Zum Schluss solltest du noch alles an Technik (Beamer, Laptop, usw.) abchecken und bereitstellen. Die Präsi sollte auf zwei USB-Sticks bereit liegen und am besten noch ausgedruckt werden. Sicher ist sicher.

Es gibt natürlich auch Leute, die alles spontan machen und immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen sind. Diese können die obigen Tipps dann einfach ignorieren. 😛

Am Tag der Prüfung solltest du natürlich pünktlich da sein und vorher frühstücken usw, usw. Das ist denk ich mal allen klar und niemand geht in Sachen Prüfungen komplett grün hinter den Ohren da rein. Dann heißt es, ab zur IHK. Man muss seinen Perso und die Einladung mitnehmen. Dann lassen die einen dort erst einmal warten! Danach wirst du abgeholt und der 30-minütige Spaß geht los (15 Minuten Präsi, 15 Minuten Fachgespräch). Die drei Prüfer (Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Schule) albern dann erst einmal ein wenig rum. Das ist ein echtes Ammenmärchen von den bösen Prüfern mit nem Stock im Arsch! Die wollen niemanden durchfallen lassen, im Gegenteil, die wollen dich ja für die drei letzten Jahre nicht bestrafen 😉

Nach der Prüfung gehen die Prüfer dann raus und beraten sich. Danach habt ihr es dann endlich geschafft!!! Ihr seid staatlich geprüft und könnt fröhlich in den Betrieb oder nach Hause, je nach dem. Meine Erfahrung ist auch, dass man, selbst wenn man das Fachgespräch komplett verkackt, noch ziemlich viel in der Präsi rausholen kann!

Zuletzt habe ich noch ein paar Übersichtsblätter. Mir haben sie geholfen und ich hoffe dir genauso.

Gliederung

Tipps1

Tipps2

Ich hoffe mein „kleiner“ Artikel konnte zu deiner Vorbereitung bzw. zu deinem Ziel beitragen. Wenn du selbst schon Erfahrung mit einer Ausbildung gemacht hast, dann schreib doch einfach mal ein Kommentar, würde mich echt freuen. Mich würde auch mal interessieren wie die IHK bei anderen Prüflingen so weg kommt 😀

Yannic

Yannic schreibt ab und zu Gastbeiträge auf diesem Blog. Er ist technikinteressiert und arbeitet auch in diesem Bereich. Seine ersten Projekte hat er zusammen mit Akeel realisiert.

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